In vielen wissenschaftlichen Arbeiten sind Hypothesen das A und O. Zwar ist es bei einer theoretischen Arbeit und empirischen Forschung nicht verpflichtend, Hypothesen zu formulieren, dennoch können sie eine Arbeit logisch abrunden und zugleich einen roten Faden darstellen. Dieser hilft nicht nur dem Verfasser der Arbeit, sondern insbesondere dem Leser – und dieser ist schließlich für die Bewertung von Bachelorthesis, Masterarbeit oder sonstigen wissenschaftlichen Werken verantwortlich.

Was ist eine Hypothese?

Bei einer Hypothese handelt es sich um eine Vermutung, die zu Beginn der wissenschaftlichen Arbeit aufgestellt wird. Hypothesen können bereits eine potenzielle Antwort auf die Forschungsfrage der Bachelor- oder Masterarbeit geben. Im späteren Verlauf der Bearbeitung wird die Hypothese getestet. Dafür eignen sich grundsätzlich quantitative und qualitative Analysen – je nach Forschungsrichtung der wissenschaftlichen Arbeit. Die Hypothese vermutet entweder einen Zusammenhang oder keinen Zusammenhang zwischen den beiden Variablen – die sogenannte Korrelation. – die sogenannte Korrelation.

Beispiel 1: Die Anzahl der Kaffeemaschinen in einem Büro beeinflusst die Arbeitsleistung der Mitarbeiter.

Beispiel 2: Die Anzahl der Kaffeemaschinen in einem Büro beeinflusst die Arbeitsleistung der Mitarbeiter nicht.

Bei der erstgenannten Hypothese wird ein Zusammenhang zwischen Kaffeemaschine und Arbeitsleistung vermutet, bei Letztgenannter von einem Fehlen desselbigen ausgegangen.

Was ist der Unterschied zwischen Hypothese, These und Forschungsfrage?

Dennoch sorgen immer wieder einige Begriffe für Verwirrung. Teilweise schmeißen Studierende wild mit den Termini Hypothese, These oder Forschungsfrage um sich. Doch diese Begrifflichkeiten solltest du präzise unterscheiden.

Die Hypothese ist die Annahme, die Studierende widerlegen oder bestätigen wollen. Diese ist noch nicht bewiesen, aber wird begründet vermutet. Dabei referiert man auf einen Zusammenhang zwischen zwei Variablen.

Demgegenüber ist die normale These eine Behauptung, die bewiesen werden muss. Allerdings ist es konträr zu der Aufstellung von Hypothesen nicht erforderlich, bestimmte Regeln einzuhalten und Kriterien zu erfüllen. Bei der Wahl einer These sind die Betroffenen somit deutlich freier.

Die Forschungsfrage stellt den Leitfaden einer wissenschaftlichen Arbeit dar. Als zentrales Argument soll diese den roten Faden bilden und Leser durch die gesamte Arbeit führen. Die Forschungsfrage ist die Basis jeder wissenschaftlichen Arbeit und ein Must-have. Demgegenüber sind die Hypothesen das gewisse Extra, um den Rahmen der Forschungsarbeit konkreter abzustecken und die Forschungsfrage gezielt im Hinblick auf einzelne Abhängigkeiten zu untersuchen. Hypothesen ersetzen somit nicht die Forschungsfrage, sondern ergänzen diese sinnvoll.

Kriterien für eine hochwertige Hypothese

Um eine Hypothese zu formulieren, ist grundlegend die Einhaltung verschiedener Kriterien erforderlich. Wer mit Hypothesen in seiner wissenschaftlichen Arbeit – ganz gleich, ob Bachelorarbeit, Masterthesis oder Dissertation – agiert, muss die folgenden Punkte zwangsläufig berücksichtigen.

Messbarkeit: Die Hypothese muss Variablen enthalten, die messbar sind.

Widerspruchsfreiheit: Wer mehrere Hypothesen formuliert, muss darauf achten, dass diese keine Widersprüche aufweisen.

Objektivität: Bei der Formulierung von Hypothesen sind Sachlichkeit und Objektivität geboten. Subjektive Wertungen sollten unterbleiben.

Prägnanz: Wichtig für die Formulierung von Hypothesen ist eine prägnante Formulierung. Diese erleichtert auch den Test der Hypothesen.

Falsifizierbarkeit: Zugleich müssen wissenschaftliche Hypothesen falsifizierbar sein. Dies bedeutet, dass sich diese grundsätzlich widerlegen lassen.

Hypothesen formulieren: Vorbereitung ist das A und O

Vor der Formulierung hochwertiger Hypothesen sollten sich die Verfasser der wissenschaftlichen Arbeit adäquat vorbereiten. Im Mittelpunkt steht die Erarbeitung einer Fragestellung, mit welcher ein spezifisches Thema weiter untersucht werden kann. Dies erfolgt im Zuge einer umfassenden Recherche. Erfahrungsgemäß gelingt die Formulierung von Hypothesen umso besser, wenn die Studierenden über Expertenwissen zum jeweiligen Thema verfügen. Mit dem Expertenwissen als Basis wird nun eine Forschungsfrage aufgeworfen. Diese bildet den Rahmen für den Entwurf der Hypothesen, die in zwei Schritten erfolgt:

  • Stelle eine ungerichtete Hypothese auf
  • Konkretisiere eine gerichtete Hypothese

Gerichtete und ungerichtete Hypothesen

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Hypothesen: Ungerichtete und gerichtete Hypothesen. Die ungerichteten Hypothesen verweisen auf einen Zusammenhang, ohne dass eine konkrete Richtung festgestellt wird. Demgegenüber gibt es bei gerichteten Hypothesen eine Richtung bei dem vermuteten Zusammenhang.

Beispiel – ungerichtete Hypothese: Die Anzahl der Kaffeemaschinen wirkt sich auf die Arbeitsleistung der Mitarbeiter aus.

Beispiel – gerichtete Hypothese: Die Anzahl der Kaffeemaschinen erhöht die Arbeitsleistung der Mitarbeiter.

Häufige Fehler: No-Gos vermeiden!

Immer wieder machen Studierende Fehler bei der Formulierung von Hypothesen. Die häufigsten No-Gos lassen sich jedoch einfach vermeiden, sodass die Chance auf eine gute Benotung deutlich erhöht wird. Die folgenden No-Gos sollten bei der Formulierung von Hypothesen in wissenschaftlichen Arbeiten unbedingt vermieden werden:

  • Lange Schachtelsätze
  • Übertrieben gehobene Ausdrucksweise
  • Umgangssprachliche Begriffe
  • Schwammige Formulierung
  • Unpassende Wortwahl
  • Fehlende Überprüfbarkeit

Wie teste ich Hypothesen?

Wer Hypothesen in seine wissenschaftliche Arbeit integriert, muss die aufgestellten Hypothesen im Verlauf der Bearbeitung überprüfen und testen. Schließlich vermutet man einen Zusammenhang – der Test der Hypothesen zeigt dann, ob diese „wahr“ oder „unwahr“ sind. Dies ist mithilfe einer Nullhypothese und der sogenannten Gegenhypothese möglich.

Die Nullhypothese beschreibt die Annahme, dass kein Zusammenhang zwischen den beiden Variablen gegeben ist. Demgegenüber vermutetet eine Gegenhypothese eine direkte Beziehung zwischen Variable A und Variable B.

Die Überprüfung kann dann mit statistischen Verfahren oder einer Literaturrecherche erfolgen. Studierende können sowohl auf die Empirie anderer Wissenschaftler verweisen als auch selbst eine Forschung durchführen. Bestenfalls kann die aufgestellte Gegenhypothese beibehalten und der Zusammenhang somit bestätigt werden. Doch auch eine Nullhypothese, die nicht abgelehnt werden kann, stellt ein wissenschaftliches Ergebnis dar.

Wie integriere ich Hypothesen in die Bachelorarbeit?

Die Formulierung der Hypothesen ist jedoch lediglich der erste Schritt. Für eine gute Benotung sorgen diese erst, wenn sie prägnant in die Bachelorarbeit oder Masterthesis integriert werden. Hier gibt es verschiedene Optionen. Einerseits lassen sich die Hypothesen am Ende des Literatur-Reviews oder Forschungsstands darstellen. Andererseits können sie direkt als Unterkapitel in der Einleitung dargestellt werden, in dem nach der Forschungsfrage die verschiedenen Annahmen dargelegt und erläutert werden. 

Im späteren Verlauf der Thesis – im Hauptteil – wird die Fragestellung diskutiert. Hier kommen bestehende Studien oder eine eigene empirische Forschung zum Einsatz, um die Hypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren. Abschließend werden die Hypothesen respektive die Ergebnisse im Fazit noch einmal aufgeführt. Der Leser und Korrektor sehen dann erneut auf einen Blick, welche Hypothesen bestätigt werden konnten.

Einwandfreie Hypothesen formulieren: Schritt-für Schritt-Anleitung mit Beispielen

Die Formulierung von hochwertigen Hypothesen ist sicherlich kein Kinderspiel. Mit ein wenig Übung und einem guten Plan sollten jedoch die meisten Studierenden in der Lage sein, die wissenschaftliche Arbeit mit Forschungsannahmen aufzuwerten.

  1. Forschungsfrage für wissenschaftliche Arbeit (bspw. Bachelorarbeit oder Masterthesis) aufwerfen
  2. Ideen für begründete Hypothesen in der Literatur oder dem Alltag sammeln
  3. Hypothesen formulieren (ggf. erst ungerichtet, dann gerichtet)
  4. Überprüfung der Hypothesen (sind diese widerspruchsfrei, messbar und falsifizierbar?)

Die meisten Hypothesen werden mithilfe eines Konditionalsatzes gebildet. Beliebt sind hier „Wenn-dann-Formulierungen“ oder „Je-desto-Konstrukte“:

Beispiel: Wenn mehr Kaffeemaschinen in einem Büro stehen, dann sind die Mitarbeiter produktiver.

Beispiel: Je mehr Kaffeemaschinen in einem Büro stehen, desto produktiver sind die Mitarbeiter.